Max Maddalena, Gedenkstein in Riedheim © Viktoria Hartmann

Gegen das Vergessen: Zum Andenken an Max Maddalena, M.d.R., Opfer des Nazi-Regimes

Ein Kommentar

Max Maddalena, Gedenkstein in Riedheim © Viktoria Hartmann

Max Maddalena aus Riedheim im Hegau wurde zusammen mit Robert Stamm, Adolf Rembte und Käthe Lübeck an die Gestapo verraten und am 27. März 1935 im roten Wedding von Berlin verhaftet. Damit begann seine schleichende Hinrichtung bis zu seinem leidvollen Sterben am 22. Oktober 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Görden.

Wer war Max Maddalena, an den seit 1992 mit einem Mahnmal vor dem Reichstag in Berlin zusammen mit 95 anderen von den Nationalsozialisten ermordeten oder an den Folgen ihrer Inhaftierung gestorbenen Abgeordneten erinnert wird?

Max Maddalena kam aus dem Hegau. Am 17. Januar 1895 in Riedheim geboren, wuchs er dort hauptsächlich bei seiner Großmutter auf und ging in diesem kleinen Dorf zur Schule; seine Mutter Katharina zog im Jahr 1906 nach der Trennung von seinem Vater Enrico Maddalena, einem italienischen Eisenbahnarbeiter, nach Singen.

Max Maddalena wird nach einem Intermezzo beim Vater in Lyon Metallarbeiter in Singen, wo er ab dem Jahr 1913 wohnt. Bei „der Fitting“ wird er als 16-jähriger Mitglied im Deutschen Metallarbeiterverband und ist bald zuständig für die gewerkschaftliche Literaturbelieferung im Werk. Er schließt sich der Arbeiterjugendbewegung in der Stadt und der SPD an.

Max meldet sich bereits 1914 während des 1. Weltkrieg freiwillig zur Marine. Er wird mehrfach schwer verwundet und mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse ausgezeichnet. Ein Lungensteckschuss begleitet ihn nun sein Leben lang.

Max Maddalena, Reichstags-Handbuch 1928 © Wikipedia
Max Maddalena 1928

Im Jahr 1918 tritt er in die USPD ein und nimmt zwei Jahre später im Dezember 1920 als Delegierter am Vereinigungsparteitag des linken Flügels seiner Partei mit der von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands teil. Ab dem Jahr 1921 ist Max Maddalena Mitglied der KPD.

Zur selben Zeit wird er Kassier in der Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter-Verbands (DMV) in Singen; kurz darauf wird er zum Bevollmächtigten für Singen/Konstanz gewählt. Als Streikführer in den Metallbetrieben und Redner bei Demonstrationen und Kundgebungen spricht er vor Tausenden. Im Juli 1922 erlebt die Stadt eine von ihm zusammen mit der SPD organisierte Demonstration gegen den Kapp-Putsch. Dabei gab es einen Toten, was noch Jahrzehnte später in Singen zu erheblichem Wirbel führte. Aus dem DMV wird Max Maddalena Ende 1924 „wegen politischer Differenzen“ entlassen.

So muss er sich umorientieren und wird ab 1925 hauptberuflicher Funktionär der KPD. Nach Stationen in Stuttgart und Hamburg bis Ende 1930 ist er danach in Berlin Mitglied der Reichsleitung der RGO (Revolutionäre Gewerkschaftsopposition). Im Jahr 1932 folgt er dem Ruf der RGI, der Revolutionären Gewerkschaftsinternationale, nach Moskau.

Seit Mai 1928 ist er Mitglied im Reichstag, unter anderem mit Clara Zetkin und Ernst Thälmann. Bei den Wahlen zum Reichstag am 5. März 1933 wird er wiedergewählt. Alle 81 Sitze der KPD werden umgehend annulliert, die KPD-Mitglieder sind größtenteils schon verhaftet. Allen nicht nur den Reichstagssitz, sondern das Leben zu nehmen, ist das Ziel der Nazis. Bereits am 3. März 1933 wird Ernst Thälmann verhaftet und elf Jahre später im KZ Buchenwald ermordet.

Max Maddalena ist 1933 noch immer in Moskau. Zwei Jahre später, am 11. März 1935 kehrt er zurück nach Deutschland, jetzt Hitler-Deutschland. Seine Aufgabe ist es, den gewerkschaftlichen Widerstand gegen das Regime anzuleiten und zu koordinieren. Das Treffen der illegalen Inlandsleitung am 27. März 1935, an die Gestapo verraten von Erich Braun, wird ihm zum Verhängnis.

Es folgen Gestapo-Verhöre in der Prinz-Albrecht-Straße mit schwerster Folter, jahrelange Untersuchungshaft in Moabit, Anklage vor dem Volksgerichtshof. Dessen 2. Senat verurteilt ihn am 4. Juni 1937 zu lebenslangem Zuchthaus. Nur aufgrund massiver internationaler Proteste wurde das Urteil nicht das vom Staatsanwalt geforderte Todesurteil.

Im Zuchthaus Brandenburg-Görden war Max Maddalena eines unter vielen KPD-Mitgliedern. Er saß in Einzelhaft, in einem Kammkasten, bei zwölf Stunden Arbeit mit vorgeschriebenem Pensum und wenigem, geringwertigem Essen. Er starb am 22. Oktober 1943 im Zuchthaus-Krankenhaus an unbehandelter Gelbsucht.

Heute gibt es wieder eine „Max-Maddalena-Straße“ in Singen, und auch in Riedheim erinnert ein Gedenkstein an Max Maddalena.

Text: Viktoria Hartmann, verfasst nach Stadtarchiv-Recherchen im Nachlass von Fritz Besnecker. Bild des Gedenksteins: Viktoria Hartmann; Bild von Max Maddalena aus dem Reichstags-Handbuch 1928 via Wikipedia: Gemeinfrei als über 70 Jahre altes Werk einer juristischen Person.

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In der seemoz-Reihe „Ausflüge gegen das Vergessen (18)“ erschien 2020 ebenfalls ein Beitrag zu Max Maddlena. Die Reihe wurde 2021 als Buch veröffentlicht.

Ein Kommentar

  1. Maik Schluroff

    // am:

    Zur Erläuterung des Wortes „Kammkasten“ : Eine besonders enge Haftzelle.

    Zum Tode Verurteilte wurden vor der Hinrichtung in eine solche Zelle gesperrt.
    Bevor der letzte Gang von der Todeszelle zum Schafott angetreten wurde, gab der diensttuende Hauptwachtmeister auf der Station folgende Anordnungen:
    „Anzuziehen ist nur die Hose ohne Hosenträger. Strümpfe, Unterhose, Hemd müssen fein säuberlich auf den Hocker gepackt werden. Das Jackett darf nicht angezogen, sondern lediglich über die Schulter gehängt werden.“

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